Tellerrand

Jung, wild und Gemüseretter

Muss man sich mal vorstellen: krumme Karotten oder vergurkte Gurken landen in der Tonne, weil sie nicht schön genug aussehen. Das Münchener Start-Up etepetete bereitet diesem Irrsinn ein Ende. Die Gründer Carsten Wille, Chris Hallhuber und Georg Lindermaier geben mit ihren Grünzeug-Boxen unförmigem Bio-Gemüse ein zu Hause. Im Interview verraten sie, wieso

Warum muss unser Gemüse gerettet werden?

Beim Einkaufen im Supermarkt fiel uns auf, dass an der Salattheke immerzu Gemüse und Salat ausgetauscht wurden. Auf Nachfragen unserseits meinte das Personal nur, dass es entsorgt wird. Das einwandfreies Gemüse einfach weggeworfen wird, wollten wir nicht länger hinnehmen. So kam uns die Idee zu etepetete.

Wie viel Gemüse wird eigentlich weggeschmissen, weil es nicht gut in Form ist?

Dazu gibt es leider keine genauen Angaben. Das liegt daran, dass Gemüse und Obst, was nicht der Form entspricht in manchen Fällen auch als Tierfutter verwendet wird. Die Zahl muss aber recht hoch sein, wenn man bedenkt, dass pro Jahr 7 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen werden. Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gehören Obst und Gemüse zu den am häufigsten entsorgten Lebensmitteln.

Was war das schrägste Gemüse, was ihr bisher gesehen habt?

Da gab es so einiges. Wir hatten schon alles von krummen Gurken über sich umarmende Karotten und Auberginen mit langen Nasen.

Euch gibt es ja schon seit 2014. Wie lief es bisher für euch? Und habt ihr Pläne für die Zukunft?

Wir sind in den letzten drei Jahren weiterhin unserer Mission nachgegangen – obwohl wir nicht wussten, ob das Konzept funktioniert. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir in den letzten Jahren eine starke Gemeinschaft aufgebaut haben. Bei Facebook haben wir mittlerweile fast 70.000 Follower. Momentan packen wir unsere Boxen noch im Allgäu, Anfang Oktober ziehen wir dann aber in unsere eigenen Hallen am Münchner Großmarkt.

Ihr seid ja Teil der Initiative „Wir retten Lebensmittel“, könnt ihr kurz erklären, was das bedeutet?

Das ist ein Projekt des Bayerischen Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Damit verpflichten wir uns, unterschiedliche Maßnahmen des Programms zu fördern. Derzeit bauen wir Beziehungen zu Münchener Kitas auf, damit das junge Gemüse von Anfang an den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln lernt. Wir versuchen anderen ein Vorbild zu sein.

 

Interview: Samantha Schwabe